Zucht
Früher gab es für den Beginn einer Zucht folgende Faustregel. Die Zucht beginnt, wenn die Stachelbeeren blühen. Dieses gilt heute nur noch, wenn die Vögel in der Freivoliere oder in einer Gartenlaube gezogen werden, wo weder elektrischer Strom noch Heizung vorhanden sind.
In der Kanarienzucht gibt es zwei Möglichkeiten. Will ich eine schöne gemischte Vogelschar haben, dann spielt es keine Rolle welche Farbe und Form die einzelnen Vögel haben. Die Hauptsache schön bunt, also "Züchterlaune". Möchte ich aber eine gewisse Farbe oder Positur züchten, also Leistungszucht betreiben, dann sollte man eine Einzel-bzw. Paarhecke betreiben, denn dann brauche ich eine gewisse Kontrolle über meine Vögel. In diesem Fall wäre eine unkotrollierte Zucht in der Voliere nicht von Vorteil. Außerdem gibt es bei einer Zucht in der Voliere, wenn mehrere Hähne und Weibchen dort untergebracht sind, meistens Probleme, weil die Vögel sich während der Brutzeit in der Regel gegenseitig stören. Das geht schon beim Nestbau los. Habe ich zum Beispiel vier Weibchen und vier Nester in der Voliere, dann wollen möglicherweise zwei, drei oder gar alle vier Weibchen in ein und dem selben Nest brüten. Dann kann man schon von vornherein sagen, dass die Brut mit Sicherheit scheitern wird. Will ich also mit vier Weibchen in einer Voliere züchten, muss ich mindestens sieben bis acht Nester anbringen. Damit ist aber immer noch nicht gewährleistet, dass nicht doch noch etwa zwei oder mehr Weibchen in ein und dem selben Nest brüten wollen. Außerdem spielt natürlich auch die Größe der Voliere eine Rolle, je größer um so besser. Dann kommt es auch noch auf die Beschaffenheit der Nester an. Angebracht sind in diesem Fall sogenannte "Volierennester", diese haben nur eine Öffnung und sind somit schon einmal besser vor Störungen der anderen Artgenossen geschützt und können auch besser verteidigt werden. Ich will damit aber nicht sagen, dass die Zucht in einer Voliere nicht möglich ist, ganz im Gegenteil. Beim Besuch eines früheren Züchterkollegen kam ich aus dem Staunen nicht raus, der hatte eine gemischte Vogelschar in seiner Voliere, außer Kanarien noch einen Stieglitz und einen Buchfink. Er hatte sechs Kanarienweibchen aber auch nur sechs Nester angebracht und die Weibchen saßen wie die Orgelpfeifen, jedes für sich in einem der Nester. Dieses ist aber nicht die Regel, sondern eine große Ausnahme. Im nächsten Jahr wollte er das Gleiche noch einmal versuchen, erlebte aber eine große Pleite. Soviel erst einmal im groben zur Volierenzucht.
Nun zur Einzel-bzw. Paarhecke. Bei der Einzelhecke ist, wie der Name schon sagt das Weibchen allein in einem Käfig (Heckfach) der Hahn wird zum befliegen eingelassen und nach dem ersten oder zweiten Ei wieder herausgenommen. In der Regel ist nach dem ersten Ei das ganze weitere Gelege befruchtet, sicherheitshalber kann man den Hahn aber noch einen Tag länger beim Weibchen lassen, bis es das zweite Ei gelegt hat. Die Einzelhecke betreibt man aus unterschiedlichen Gründen. Einmal kann es sein, dass der Hahn noch für zwei oder drei weitere Weibchen vorgesehen ist, oder der Hahn stört das Weibchen bei seinem Brutgeschäft, dann ist es ratsam ihn zu entfernen. Das Weibchen brütet allein die Jungen aus und füttert sie auch allein groß. Damit die Jungen alle gleichmäßig an einem Tag schlüpfen, nimmt man die gelegten Eier erst einmal aus dem Nest und ersetzt sie durch sogenannte Kunsteier. Wenn das vierte Ei gelegt wurde, nimmt man die Kunsteier wieder heraus und legt die drei vorher gelegten Eier zu dem vierten ins Nest, dann kann das Weibchen sein Brutgeschäft beginnen. Es kann natürlich möglich sein, dass das Weibchen anschließend noch ein fünftes oder sechstes Ei nachlegt. Aus diesen schlüpfen die Küken dann logischerweise einen bzw. zwei Tage später. Die Brutzeit der Kanarien beträgt in der Regel dreizehn Tage, in Ausnahmefällen können es auch vierzehn oder fünfzehn Tage sein , je nachdem wie fest das Weibchen brütet. Man sollte aber unbedingt die dreizehn oder vierzehn Tage Brutzeit abwarten, auch wenn man vorher festgestellt hat, dass die Eier schier (unbefruchtet) sind. Entfernt man ein Schiergelege früher, kann es möglich sein, dass das Weibchen bei der nächsten Brut, auch wenn die Eier befruchtet sind das Gelege vorzeitig verlässt und das wäre natürlich sehr ärgerlich.
Paarhecke: Die Paarhecke ist natürlich das Optimale. Wenn man ein Paar hat das sich gut verträgt, wird das Weibchen, welches ja die Hauptlast bei einer Aufzucht trägt ,doch um einiges entlastet denn ein guter Hahn füttert sowohl das Weibchen als auch die Jungen. Außerdem kann man, wenn die Jungen etwa 25 bis 28 Tage alt aber noch nicht futterfest sind, den Hahn mit den Jungen aus der Hecke nehmen, so dass das Weibchen die nächste Brut ungestört weiter machen kann. Sind die Jungen dann selbstständig, kann der Hahn wieder zu dem Weibchen.
Fazit: Wenn die Zucht so verläuft, wie hier beschrieben, kann man sagen es ist fast alles optimal gelaufen. Leider gibt es aber immer mal wieder Probleme, ja, ich kann sagen in den über dreißig Jahren Kanarienzucht gab es eigentlich jedes Jahr mal wieder was Neues. Wenn ich über alle Probleme, die bei der Kanarienzucht vorkommen können ausführlich berichten würde, so würde das hier den Rahmen des Beitrags sprengen. Später kann ich vielleicht mal in Stichworten darüber berichten.
Wundern tue ich mich eigentlich nur über verschiedene selbst ernannte Tierschützer, welche geschwollene Reden schwingen, aber keinen anderen Vogel kennen als die Katze. Auch die Politiker sollten sich erst einmal bei Leuten schlau machen, die etwas von der Materie verstehen, bevor sie irgendwelche unsinnigen Gesetze verabschieden.
Wolfgang Trümper
Züchter darf sich nur der nennen, der die Art erhält und verbessert.
(Tiervater Brehm - geboren in Rentendorf Thüringen)
In der Kanarienzucht gibt es zwei Möglichkeiten. Will ich eine schöne gemischte Vogelschar haben, dann spielt es keine Rolle welche Farbe und Form die einzelnen Vögel haben. Die Hauptsache schön bunt, also "Züchterlaune". Möchte ich aber eine gewisse Farbe oder Positur züchten, also Leistungszucht betreiben, dann sollte man eine Einzel-bzw. Paarhecke betreiben, denn dann brauche ich eine gewisse Kontrolle über meine Vögel. In diesem Fall wäre eine unkotrollierte Zucht in der Voliere nicht von Vorteil. Außerdem gibt es bei einer Zucht in der Voliere, wenn mehrere Hähne und Weibchen dort untergebracht sind, meistens Probleme, weil die Vögel sich während der Brutzeit in der Regel gegenseitig stören. Das geht schon beim Nestbau los. Habe ich zum Beispiel vier Weibchen und vier Nester in der Voliere, dann wollen möglicherweise zwei, drei oder gar alle vier Weibchen in ein und dem selben Nest brüten. Dann kann man schon von vornherein sagen, dass die Brut mit Sicherheit scheitern wird. Will ich also mit vier Weibchen in einer Voliere züchten, muss ich mindestens sieben bis acht Nester anbringen. Damit ist aber immer noch nicht gewährleistet, dass nicht doch noch etwa zwei oder mehr Weibchen in ein und dem selben Nest brüten wollen. Außerdem spielt natürlich auch die Größe der Voliere eine Rolle, je größer um so besser. Dann kommt es auch noch auf die Beschaffenheit der Nester an. Angebracht sind in diesem Fall sogenannte "Volierennester", diese haben nur eine Öffnung und sind somit schon einmal besser vor Störungen der anderen Artgenossen geschützt und können auch besser verteidigt werden. Ich will damit aber nicht sagen, dass die Zucht in einer Voliere nicht möglich ist, ganz im Gegenteil. Beim Besuch eines früheren Züchterkollegen kam ich aus dem Staunen nicht raus, der hatte eine gemischte Vogelschar in seiner Voliere, außer Kanarien noch einen Stieglitz und einen Buchfink. Er hatte sechs Kanarienweibchen aber auch nur sechs Nester angebracht und die Weibchen saßen wie die Orgelpfeifen, jedes für sich in einem der Nester. Dieses ist aber nicht die Regel, sondern eine große Ausnahme. Im nächsten Jahr wollte er das Gleiche noch einmal versuchen, erlebte aber eine große Pleite. Soviel erst einmal im groben zur Volierenzucht.
Nun zur Einzel-bzw. Paarhecke. Bei der Einzelhecke ist, wie der Name schon sagt das Weibchen allein in einem Käfig (Heckfach) der Hahn wird zum befliegen eingelassen und nach dem ersten oder zweiten Ei wieder herausgenommen. In der Regel ist nach dem ersten Ei das ganze weitere Gelege befruchtet, sicherheitshalber kann man den Hahn aber noch einen Tag länger beim Weibchen lassen, bis es das zweite Ei gelegt hat. Die Einzelhecke betreibt man aus unterschiedlichen Gründen. Einmal kann es sein, dass der Hahn noch für zwei oder drei weitere Weibchen vorgesehen ist, oder der Hahn stört das Weibchen bei seinem Brutgeschäft, dann ist es ratsam ihn zu entfernen. Das Weibchen brütet allein die Jungen aus und füttert sie auch allein groß. Damit die Jungen alle gleichmäßig an einem Tag schlüpfen, nimmt man die gelegten Eier erst einmal aus dem Nest und ersetzt sie durch sogenannte Kunsteier. Wenn das vierte Ei gelegt wurde, nimmt man die Kunsteier wieder heraus und legt die drei vorher gelegten Eier zu dem vierten ins Nest, dann kann das Weibchen sein Brutgeschäft beginnen. Es kann natürlich möglich sein, dass das Weibchen anschließend noch ein fünftes oder sechstes Ei nachlegt. Aus diesen schlüpfen die Küken dann logischerweise einen bzw. zwei Tage später. Die Brutzeit der Kanarien beträgt in der Regel dreizehn Tage, in Ausnahmefällen können es auch vierzehn oder fünfzehn Tage sein , je nachdem wie fest das Weibchen brütet. Man sollte aber unbedingt die dreizehn oder vierzehn Tage Brutzeit abwarten, auch wenn man vorher festgestellt hat, dass die Eier schier (unbefruchtet) sind. Entfernt man ein Schiergelege früher, kann es möglich sein, dass das Weibchen bei der nächsten Brut, auch wenn die Eier befruchtet sind das Gelege vorzeitig verlässt und das wäre natürlich sehr ärgerlich.
Paarhecke: Die Paarhecke ist natürlich das Optimale. Wenn man ein Paar hat das sich gut verträgt, wird das Weibchen, welches ja die Hauptlast bei einer Aufzucht trägt ,doch um einiges entlastet denn ein guter Hahn füttert sowohl das Weibchen als auch die Jungen. Außerdem kann man, wenn die Jungen etwa 25 bis 28 Tage alt aber noch nicht futterfest sind, den Hahn mit den Jungen aus der Hecke nehmen, so dass das Weibchen die nächste Brut ungestört weiter machen kann. Sind die Jungen dann selbstständig, kann der Hahn wieder zu dem Weibchen.
Fazit: Wenn die Zucht so verläuft, wie hier beschrieben, kann man sagen es ist fast alles optimal gelaufen. Leider gibt es aber immer mal wieder Probleme, ja, ich kann sagen in den über dreißig Jahren Kanarienzucht gab es eigentlich jedes Jahr mal wieder was Neues. Wenn ich über alle Probleme, die bei der Kanarienzucht vorkommen können ausführlich berichten würde, so würde das hier den Rahmen des Beitrags sprengen. Später kann ich vielleicht mal in Stichworten darüber berichten.
Wundern tue ich mich eigentlich nur über verschiedene selbst ernannte Tierschützer, welche geschwollene Reden schwingen, aber keinen anderen Vogel kennen als die Katze. Auch die Politiker sollten sich erst einmal bei Leuten schlau machen, die etwas von der Materie verstehen, bevor sie irgendwelche unsinnigen Gesetze verabschieden.
Wolfgang Trümper
Züchter darf sich nur der nennen, der die Art erhält und verbessert.
(Tiervater Brehm - geboren in Rentendorf Thüringen)



